Interview zum Thema Impfen (bei Kindern) mit Kinderarzt Dr. med. Martin Hirte

Erfahren Sie im Interview mit dem Kinderarzt Dr. Martin Hirte, welche Impfungen er befürwortet, welche er besonders skeptisch sieht, in welchem Dilemma sich Ärzte beim Impfen befinden und inwieweit Hühnereiweißallergien bei Impfungen kritisch sind.
Dr. Hirte ist Mitglied des Vereins "Ärzte für Individuelle Impfentscheidung" und Autor des Buches "Impfen – Pro & Contra".

Wer fast eine Million Seiten bei Google vorfindet, die sich mit dem Thema Impfen befassen, ist spätestens nach den ersten 20 schwer verunsichert. Muss bei all den Argumenten, die beide Seiten anführen können, da am Ende nicht eine Bauchentscheidung stehen?
Das sehe ich auch so – die wesentlichen Informationen wie etwa zum Langzeit-Nutzen oder den Langzeit-Risiken des Impfens stehen für eine fundierte rationale Entscheidung nicht zur Verfügung.

Welche der von der STIKO empfohlenen Impfungen können Sie, vielleicht sogar uneingeschränkt, gutheißen? Andersherum gefragt: Gibt es unter diesen empfohlenen Impfungen welche, die Sie ganz ablehnen?
Ich lehne Impfungen nicht grundsätzlich ab. Ich frage mich aber zum Beispiel, was die Impfung gegen eine hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr und unsauberes Spritzbesteck übertragbare Erkrankung wie Hepatitis B im Impfkalender für Säuglinge zu suchen hat. Auch die Windpocken-Impfung für alle Kinder ist unnötig und riskant, da sie eine harmlose Kinderkrankheit in das komplikationsgefährdete Erwachsenenalter verschiebt. Ich halte die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Polio für wichtig. Auch die Masern-Erkrankung kann man unter den heutigen Bedingungen der Gesellschaft nicht mehr zumuten, weil immer mehr Erwachsene und Säuglinge daran erkranken, mit hohem Komplikationsrisiko. Gegen Masern sollte meiner Meinung nach jedes Kindergarten-Kind und jedes Kind, in dessen Familie eine Geburt ansteht, geimpft sein.

Wie kann man sich einen alternativen Impfplan vorstellen, nach dem Kinder aus Ihrer Sicht sinnvoll geimpft werden könnten? Es geht ja bei der individuellen Impfentscheidung nicht nur darum weniger mit evtl. anderen Präparaten zu impfen, sondern auch um den Zeitplan von Impfungen. So müsste nicht gegen jede Krankheit im von der STIKO empfohlenen Alter geimpft werden.
Jede Impfentscheidung sollte individuell getroffen werden. Für mich ist nicht so sehr das Ergebnis der Entscheidung wichtig, sondern der Prozess des Sich-Entscheidens: Sich informieren, das Problem mit anderen diskutieren, es durchdenken und auch überschlafen und dann nach bestem Wissen und Gewissen für sein Kind eine Entscheidung fällen. Und dann wieder zur normalen Tagesordnung übergehen – es gibt im Leben Wichtigeres als Impfen oder Nicht-Impfen!

Warum bekommen Eltern nicht automatisch die Beipackzettel der Impfstoffe mit? Kann man den vom Arzt verlangen?
Sie können jeden Beipackzettel im Internet einsehen.

Welche Stoffe in Impfstoffen halten Sie für kritisch?
Problematisch ist vor allem das Aluminiumhydroxid. Es hat giftige Eigenschaften und ist ein Risiko für die neurologische Entwicklung junger Säuglinge. Es kann außerdem das Gleichgewicht des Immunsystems stören und dadurch Infektanfälligkeit und die Entstehung allergischer und wahrscheinlich auch autoimmuner Krankheiten begünstigen. Aluminiumhydroxid ist in allen Tetanus- und Tetanus-Kombinationsimpfstoffen in unterschiedlicher Menge enthalten. Die in Deutschland zugelassenen Einzelimpfstoffe Tetanol pur und Tetanus-Impfstoff Mérieux enthalten mit 0,5 bzw. 1,25 mg einen relativ hohen Anteil des Elements Aluminium. Andere Impfstoffe zum Vergleich: Prevenar 13: 0,1 mg. Tetravac, Pentavac: 0,3 mg. Revaxis, Td-rix: 0,35 mg. Td-pur, Synflorix, Infanrix-IPV-Hib: 0,5 mg. Infanrix-Hexa: 0,7 mg. Die Einzelimpfstoffe gegen Hib (Act-Hib) und Polio (IPV-Mérieux) kommen ohne Aluminium aus.

Wann behindern sich Impfstoffe gegenseitig?
Bei gleichzeitiger Verabreichung wahrscheinlich immer ein wenig. Zum Beispiel verringert die Kombination von Hib- und Keuchhustenantigen im gleichen Impfstoff die Wirksamkeit der Hib-Komponente, das macht aber offensichtlich nicht viel aus. Auch die medikamentöse Fiebersenkung bei einer fieberhaften Impfreaktion kann die Wirkung der Impfung einschränken.

Gibt es für Menschen mit Allergie gegen Hühnereiweiß Impfstoffe gegen jede der Kinderkrankheiten, für die die STIKO eine Impfung empfiehlt?
Nein. Alle Masernimpfstoffe sind auf Hühnerzellen ("Fibroblasten") angezüchtet, die meisten Hühnereiallergiker vertragen das aber offensichtlich. Bei schweren allergischen Reaktionen auf Hühnerei (allergischer Schock) wäre ich aber mit der Masernimpfung zurückhaltend. Dasselbe gilt für die FSME-Impfung. Grippeimpfstoffe sind mit Hühnerei hergestellt und dürfen bei Hühnerei-Allergikern nicht geimpft werden.

Gibt es, bezogen auf die Wirkung von Impfstoffen, einen Grenzwert, ab dem ein Impfstoff vom Markt genommen wird – und ist es nicht ein Zeichen für die vielfach angezweifelte Objektivität der STIKO, wenn diese etwa von Tuberkulose-Impfungen für Kinder abrät, weil ungewiss sei, wie wirksam der Impfstoff ist.
Es gibt keinen Grenzwert, im Prinzip wird jeder Impfstoff zugelassen, bei dem eine Wirkung belegt werden kann. Die Wirkung ist auch nicht das Problem, die ist bei den modernen Impfstoffen – außer beim Grippe-Impfstoff – sicher vorhanden. Die Frage muss anders lauten: Brauchen wir den Impfstoff überhaupt? Ist er ökonomisch sinnvoll oder kann man die (begrenzten) Ressourcen woanders besser einsetzen? Hat er Vorteile gegenüber dem Nicht-Impfen? Wie schnell verpufft seine Wirkung, wenn er – wie etwa die Pneumokokken, Rotavirus oder HPV-impfstoffe – nur gegen einen Teil der jeweiligen Erreger-Gruppen wirkt? Und was sind die möglichen Langzeitfolgen der Impfung? Werden dadurch nicht vielleicht andere schwere oder chronische Krankheiten (Asthma, Diabetes, Tumore) häufiger? Hier wäre noch viel Forschungsarbeit zu leisten.

Impfstoffe werden ohne eingehende Prüfung zugelassen und öffentlich empfohlen, in aller Regel allein auf der Grundlage von Studien der Hersteller. Das erlaubt dem Arzt und dem Impfling nicht die nötige Risiko-Abwägung. Der Staat verstößt nach Ansicht des Verfassungsrechtlers Rüdiger Zuck mit den öffentlichen Impfempfehlungen gegen die ihm obliegenden grundrechtlichen Schutzpflichten. 

Warum gibt es bei Impfstoffen keine Generika?
Die Produktion von Impfstoffen ist so spezialisiert und aufwändig, dass der Impfmarkt die Domäne einige weniger Global Player geworden ist. Die haben riesige finanzielle und personelle Ressourcen, mit denen sie die Zulassung und Vermarktung ihrer Produkte betreiben. Dem hält keine Impfkommission stand, auch nicht die der Weltgesundheitsorganisation. In allen Gremien findet man Leute, die eng mit den Impfstoffherstellern kooperieren.

Welche Studien beweisen, dass Amalgam und Impfstoffe die Hauptursache für Autismus sind?
Die amerikanischen Forscher Mark und David Geier haben diesen Zusammenhang aus den Zahlen des Meldesystems für Impfnebenwirkungen errechnet.

Gibt es alternative Impfstoffe ohne Quecksilber und Aluminium?
Alle Kinderimpfstoffe kommen heute ohne Quecksilber aus. Es gibt jedoch außer dem Hib- und Polio-Einzelimpfstoff keine Totimpfstoffe ohne Aluminiumzusätze. Lebendimpfstoffe (gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) enthalten kein Aluminium.

Manche Ärzte empfehlen, keine Mehrfachimpfung vornehmen zu lassen. Gibt es auch Einzelimpfungen gegen die gewöhnlich mit Hilfe von Mehrfachimpfstoffen geimpften Krankheiten? Und sind diese Ihrer Ansicht nach besser verträglich? Und umgekehrt: Steigt nicht durch die Einzelimpfungen unnötig die Belastung der Kinder mit Zusatzstoffen? Viele Eltern fürchten, dass das Immunsystem mit einer Mehrfachimpfung überfordert ist – und eine natürlich erfolgende gleichzeitige Infektion mit sechs derartigen Keimen dürfte wohl quasi ausgeschlossen sein. Wie sehen Sie das?
Ich frage erst nach, welche Impfungen die Eltern wollen, dann schlage ich Kombinationen vor, falls es solche auf dem Markt gibt. Ich würde im Zweifelsfall immer kombinieren, um das Kind nicht zu sehr mit Pieksern und Zusatzstoffen zu belasten.

Stimmt die Behauptung, die Meldepflicht von Impfkomplikationen sei bei vielen Ärzten immer noch unbekannt?
Ich denke, den meisten Ärzten ist die Verpflichtung bekannt, nur scheuen sie den Aufwand. Ein Arzt muss auch eine psychologische Barriere überwinden, wenn er zugeben soll, dass er einem Kind möglicherweise geschadet hat. Nur 5 % aller Ärzte haben jemals eine Medikamenten-Nebenwirkung gemeldet. Die Dunkelziffer von Impfkomplikationen ist daher ziemlich hoch.

Inwieweit ist es realistisch, dass ein Arzt in seinem straff organisierten Alltag den Patienten umfassend über kurz- und langfristige Nebenwirkungen von Impfungen informiert?
Das ist vor allem in Kassenpraxen unrealistisch, deswegen behelfen sich viele Ärzte mit Informationsschriften, leider meist aus dem Fundus der Impfstoffhersteller. Am besten wäre, sie würden selber einen Text verfassen, dann müssen sie sich auch mehr mit der Thematik auseinandersetzen. [Zu den Informationspflichten des Arztes gelangen Sie hier]

Kann ein „normaler“ Kinderarzt das Für und Wider von Impfungen ohne Studium der Biochemie, Pharmazie ... überhaupt beurteilen und ist er nicht schlicht auf die Empfehlungen und Studien der entsprechenden Institute und auf die Informationen von Pharmareferenten angewiesen?
Jeder Arzt hat Biochemie oder Pharmazie in seinem Studium absolviert und versteht es, Zulassungsstudien zu lesen. Die Beurteilung ist wieder etwas anderes, denn Studien können manipuliert werden, oft sind sie auch zu klein oder erfassen zu kurze Zeiträume. Studien mit ungünstigen Resultaten werden oft gar nicht erst veröffentlicht, Vergleichsuntersuchungen zwischen Geimpften mit Ungeimpften gibt es praktisch nicht.

Für die Beurteilung von Zulassungsstudien gibt es aber gute Fachjournale, etwa das Arznei-telegramm, das jeder Arzt abonniert haben sollte. Auch das unabhängige Cochrane-Institut bewertet Studien und hat zum Beispiel den Studien zur Grippeimpfung die Note sechs gegeben.

Pharmareferenten sind die denkbar schlechtesten Ratgeber.

Inwieweit sind Impfungen für Ärzte wirtschaftlich interessant?
Impfungen werden außerhalb des Praxis-Budgets honoriert und sind damit sehr lukrativ.

Kann ein Arzt, der Eltern empfiehlt nicht zu impfen, verklagt werden, wenn das Kind an der entsprechenden Kinderkrankheit schwer erkrankt und bleibende Schäden davonträgt?
Prinzipiell ja. Jeder Arzt muss auf die STIKO-Empfehlungen hinweisen, er darf aber dazu seine eigene abweichende Meinung äußern, wenn er "gute Gründe" dafür hat. Außerdem sollte er sich durch eine Unterschrift von den Eltern bestätigen lassen, wenn sie tatsächlich keine Impfung wollen.

Haben Sie selbst in Ihrer Praxis schon Kinder mit schweren Impfschäden erlebt, bzw. Kinder, die, nicht geimpft, schwere Krankheitsfolgen zu tragen hatten?
Schwere Krankheitsfolgen durch "impfpräventable" Krankheiten habe ich bei eigenen Patienten Gottseidank noch nicht erlebt. Ich habe einige schwere und auch anerkannte Impfschäden gesehen, allerdings nicht bei Patienten, die ich selber geimpft habe. Einer meiner Patienten hat drei Monate nach einer Polio-Impfung ein Anfallsleiden und parallel dazu eine Zuckerkrankheit entwickelt. Die behandelnden Ärzte halten es nicht für ausgeschlossen, dass die Impfung bei ihm einen Autoimmunprozess in Gang gesetzt hat. Die Anerkennung als Impfschaden wurde ihm allerdings verweigert, da der Abstand zur Impfung zu groß war.

Welche Internet-Seiten sind Ihrer Ansicht nach geeignet für Eltern, die sich selbst weiter informieren wollen?
www.impfo.ch
www.individuelle-impfentscheidung.de

Argumente impfkritischer Ärzte und Forscher

 

Quelle: www.naturheilmagazin.de

Bildquelle: faz.net